Lug wird zum Mekka der Trabant-Fans

Über 200"Rennpappen" aus ganz Deutschland kommen zum 8. Niederlausitzer Trabitreffen

LUG. Mit über 200 Fahrzeugen sind Trabant-Freunde aus ganz Deutschland nach Lug zum Trabitreffen beim Dorffest angereist. Die meisten haben ihre „Rennpappen“ gehörig aufgemotzt, lackiert, getunt. Die klassisch-realsozialistisch-himmelblaue Karosserie bleibt daher die Ausnahme: Stattdessen rollen Chrom-trabis, Cabrio-Trabis, Tiger-Trabis und sogar ein Feuerwehr-Trabi mit Blaulicht über die Festwiese.  

Von Uwe Hegewald
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Die aufgemotzten DDR-Kraftfahrzeuge mit obligatorischen Zwei-Takt-Motor werden von den Besuchern – viele selbst Trabanterfahren – gehörig bestaunt. Seit Jahren wird in Lug erfolgreich im Zwei-Takt gefeiert – für die Einwohner ist es ihr Dorffest, für die Freunde der Rennpappe das mittlerweile 8. Niederlausitzer Trabitreffen, veranstaltet vom Trabant-Club „Schorsch“ e.V.
„Die Trabis wirken auf unser Fest wie ein Magnet“, lobt Ortsbürgermeister Uwe Kalz (50). Rene Püttman (31), der Vereinsvorsitzende des Dorfclubs Lug, betont: „Es ist für uns in erster Linie ein Dorffest, aber die Trabis sind uns willkommene Gäste.“
Tatsächlich sind die Pappfahrzeuge die eigentliche Attraktion des Festes. Früher zu DDR-Zeiten waren Trabis Alltag, mittlerweile sind sie ein Kuriosum, aber auch ein Klassiker.
Manche der Zwei-Takt-Gefährten haben es nur mit Ach und Krach bis in die Lausitz geschafft. Bange Stunden hat zum Beispiel vor Fahrtantritt ein Trabifan im Oberbayrischen Kastl (zwischen München und Passau) verbracht. Der Exil-Berliner und Wahl-Bayer Ike wollte an seinen Trabi noch „eben kurz“ einen 26-PS-Motor einbauen. Fieberhaft schraubt er nun schon seit Stunden an seine „Pappe“. Schnell noch die beiden Zündkerzen reindrehen, Benzinhahn öffnen, den Hebel der Lenkradschaltung auf Leerlaufstellung, Kupplung treten und starten. Der Anlasser leiert beständig. Erst nach gezogenem Choke beginnt der Zwei-Takt-Otto-Motor zu tanzen und gleichmäßig auch das Herz von Ike Sommer. Es bleibt die angstvolle Frage: Schafft der P601 L auch die rund 560 Kilometer von der österreichischen Grenze bis in die Niederlausitz?
Von solchen Nöten können viele der hartgesottenen Trabifahrer in Lug ein Liedchen singen. Aber immerhin haben es über 200 Fahrzeuge auf die Festwiese geschafft. „Mit der Benzinzufuhr gab es leichte Problem, die Maschine hat nur bei vollem Tank ausreichend Gemisch bekommen“, beschreibt Ike Sommer, wie er nach Lug gefahren ist. „Da haben wir eben öfters angehalten und den Tank immer bis an den Rand nachgefüllt“, sagt Sommer. Dass der Sprit wieder optimal lief, hätte er dann am „Mäusekino“ abgelesen, Trabikenner wissen natürlich, was das „Mäusekino“ ist: Eine LED-Anzeige zur Spritkontrolle, mit der die Trabis ab den 1980er Jahren serienmäßig ausgestattet worden sind. High-Tech der späteren DDR. Übrigens ist das Trabitreffen keineswegs nur eine Sache für „Ostalgiker“: Der Verein „Bayrische Trabant- und IFA-Freunde“ ist mit elf Personen, vier Trabis, einem BRD-Pkw mit Wohnwagen und zwei Huskies nach Lug angereist.
Zu den Bajuwaren zählen ausgewanderte Ostdeutsche, aber auch alteingesessene Westler. „Im Internet hatten wir positive Kritiken vom Niederlausitzer Treffen gefunden, wo insbesondere die familiäre Atmosphäre geschätzt wird“, begründet Bayer Andreas Windisch, was ihn zur zwölfstündigen Fahrt gen Osten motiviert hat. Er ergänzt: „Diesem Lob für Lug können wir uns anschließen.“
Nicht ganz so reibungslos verläuft indessen die Spritztour von 64 Trabis von Lug aus zum Besucherfest an den IBA-Terassen in Großräschen. Beim Einfahren auf das Gelände stehen die DDR-Automobile im Stau. „Da haben wir vor Monaten unser Kommen angemeldet und die Großräschner Veranstalter sind offensichtlich nicht auf das Eintreffen einer so großen Flotte vorbereitet“, bemängelt Trabitreffen-Initiator Jörg Liebchen (31).
Als die Trabikolonne mit einstündiger Verspätung wieder nach Lug zurückgekehrt ist, folgt die Auswahl der Trabis des Jahres. Einen Doppelerfolg erringt Werner Kosch (51) mit seinem „Energie-Cabrio“. Der Cottbuser gewinnt in den Kategorien „Lug-Trabi 2005“ und „Ossi-Mobil 2005“. Seit 1993 fummle ich nun schon an der ‚Pappe’ rum, immer wieder gibt es neue Ideen“, erzählt der Cottbuser, dessen Herz ebenfalls im Zwei-Takt schlägt. Ein Takt für den Trabant, der andere für seinen Fanclub Energie. Das bringt Werner Kosch auch auf seinen Nummernschild „CB-FC 65“ zum Ausdruck. „C steht für Cottbus, B für Block B im Stadion der Freundschaft, FC für Fußballclub und 65 ist meine Mitgliedsnummer beim FC Energie“, erläutert Kosch. Die Zulassungsnummer 05/10 entspräche zudem seiner Sitzplatznummer im Stadion, sagt der Cottbusser. Nun wissen alle, wo der Sieger-Trabi-Besitzer zu finden ist.

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